Dreiklang BAUM

Ausstellung vom 12.08.-31.10.2018

Dreiklang: BAUM

Ingelore Lohse – Fotografie

Christina Simon – Farblinolschnitt

Stan Pete – Installation

Leben!

einzeln und frei wie ein Baum

und brüderlich wie ein Wald

ist unsere Sehnsucht

Nazim Hikmet

Dreiklang: Baum lautet der Titel der Ausstellung von Ingelore Lohse, Fotografien, Christina Simon, großformatige Linolschnitte und Stan Pete (Peter Schwieger), interaktive Installationen.

Bei einem Dreiklang können drei Töne gleichzeitig oder als Tonfolge nacheinander hörbar werden. Baum ist die Bezeichnung für ein senkrecht wachsendes Holzgewächs mit seitlichen Austrieben.

Ein musiktheoretischer und ein botanischer Fachbegriff bilden hier eine spannende Synergie. Der Titel ist Programm.

Im Einklang mit der Architektur der BRAND-SANIERUNG erstreckt sich auf zwei Etagen die einer Partitur ähnliche Konzeption der Ausstellung. Wie beim Hören eines Musikstückes erlebt der Besucher beim Durchschreiten der Räume Wiederholungen, Variationen, ein Laut und ein Leise bis hin zur Stille.

Die Werke dreier Künstler begegnen sich. In Technik und Ausführung können diese nicht unterschiedlicher sein.

Ingelore Lohses dokumentarfotografischer Ansatz zu ihrer 30teiligen Fotoinstallation „Jahresbaum“, einer Weißenfelser Weide, hält in ausgewählten Bildern ihre individuelle Begegnung mit dem Baum fest, den sie über ein Jahr hinweg beobachtet hat.

Es fielen ihr, nicht nur jahreszeitlich bedingt, immer wieder neue und spannende Details und Blickwinkel auf, die nun der Betrachter nachvollziehen kann. Den Zyklus ergänzt die Künstlerin mit einem ausgewählten Zitat.

Mit Einzelbildern, die in anderen Räumen mit den Arbeiten von Christina Simon korrespondieren, zeigt sie ihr Anliegen, auf die Schönheit der Natur hinzuweisen und dabei deren Schutzwürdigkeit anzumahnen.

Christina Simon widmet ihre zahlreichen, großformatigen und farbstarken Linolschnittzyklen: Tanne, Eiche, Pappel, Weide, Linde, Apfelbäume, Nussbaum und der Esche, dem Baum des Lebens. Manchmal erst auf den zweiten Blick erkennbar, zeichnen sich Tier- und Menschengestalten im dichten, blattfüllenden Liniengeflecht ab. Sogar Engel beseelen das Astwerk einiger Bäume. In den archaischen und christlichen Mythen findet Christina Simon  immer wieder neue Impulse für ihre Arbeiten. Auch persönliche  Naturerlebnisse aus ihrer Kindheit  fließen in ihren Bilderkosmos mit ein.

Im Bild „Kiefer am Abgrund“ schwankt der Baum durch den von Ketten durchzogenen Bildraum, in düsteren Blautönen gehalten, eine Metallleiter zeigend. Für Gebirgswanderer sind diese Absturzsicherungen lebensnotwendig. Der Blick des Betrachters wird buchstäblich hineingezogen in das dramatische Bildgeschehen sich überlagernder und gegenseitig durchdringender Lineamente und Flächen. Die spirituelle Bedeutung des Baumes in allen Kulturen der Menschheitsgeschichte wird hier erahnbar.

Ganz anders Stan Pete (Peter Schwieger). Er setzt auf die direkte Begegnung von Besucher und Baum im Raum. Sobald der Besucher sich einem Exemplar nähert, erfährt er eine überraschende Klang- und Lichtreaktion. Erinnerungen an das „Singende, klinge Bäumchen“ nach einem Märchenfragment der Gebrüder Grimm, 1957 von Francesco Stefani verfilmt, werden wach. Dank Licht und Elektronik entsteht ein Zauber ganz besonderer Art.

Mit uns bekannten Alltagsgegenständen bezieht Stan Pete ironisch bis mahnend Stellung bezüglich der anscheinend unendlichen Verfügbarkeit von Natur: Werden und Vergehen, dargestellt und ausgelöst mit Ultraschall, für den Menschen nicht hörbar aber nachvollziehbar in seinen Auswirkungen.

Angelika Flaig

Nazim Hikmet, Die Namen der Sehnsucht, „Leben!“ S. Fischer Verlag