Pressestimmen

Prometheus bringt Schülern Feuer
Ausstellung in Weißenfels verlängert - Schulbezogenes Projekt auch in Naumburg und Zeitz

Die Prometheus-Ausstellung in Christina Simons Kunstprojekt Brand-Sanierung ist bis Mitte Dezember verlängert worden. Das liegt einerseits am Interesse des Publikums. Nicht nur zur Eröffnung der Schau kamen 60 Kunstinteressierte aus der ganzen Region, um die qualitativ wertvollen Arbeiten, die zu DDR-Zeiten zwar in Auftrag gegeben worden waren, dann aber nur einmal gezeigt, zensiert und verboten wurden, zu sehen. Im Zeitzer Museum sind die Arbeiten nicht verloren gegangen. Der Begleitausschuss des Burgenlandkreises für das Bundesprogramm "Vielfalt tut gut!" hat Fördermittel bewilligt, damit die Ausstellung nach Weißenfels als schulbezogenes Projekt im Januar und Februar noch in Zeitz und Naumburg gezeigt wird. Lothar Tautz, der Sprecher des Vereins "Gegen Vergessen - für Demokratie" will auch dort mit Schülern über die DDR-Geschichte und die Kunst ins Gespräch kommen. Die Auseinandersetzung mit Fragen, die die Prometheus-Mythologie aufwirft, und der Zusammenhang zu Christina Simons eigenen Linolschnitten fand bereits bei Lehrern und Schülern des Goethegymnasiums, des Fachgymnasiums der Berufsbildenden Schule Weißenfels und der benachbarten Neustadt-Sekundarschule Resonanz. 30 Elft- und Zwölfklässler des Goethegymnasiums kamen an einem Abend mit ihrer Lehrerin Uta Sommer ins Kunstprojekt in die Novalisstraße. Mit der Prometheus-Sage bereits im Unterricht vertraut gemacht, zeigte ihnen Tautz den Kurzfilm "Die Berliner Mauer", um sie in jene Zeit zu versetzen, als die aus Texten, Grafiken und Musik bestehende Prometheus-Ausstellung zum 150. Todestag Johann Wolfgang von Goethes 1982 in Auftrag gegeben wurde. In Gruppen schauten sich die Pennäler die Ausstellung mit dem Auftrag an, sich Bilder auszuwählen, über die sie später sprechen wollten. Erstaunliche Ansichten hörten Tautz, Simon und Sommer von den aufgeschlossenen und neugierigen Schülern. Warum jene Ausstellung 1982 zensiert und nicht mehr gezeigt werden durfte, erschloss sich den jungen Leuten nicht sofort. "Meinen Sie denn, dass sie damals eine Revolte ausgelöst hätte?", schickte Tautz die Schüler auf Tour und verband das Nachdenken mit dem wenige Jahre späteren Mauerfall in Deutschland.
MZ vom 03.12.07




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Feuerbringer wirft einen Brandsatz

Der Anlass war über jeden Verdacht erhaben: Zum 150. Todestag Goethes wollte der hallesche Germanist Roland Rittig im Jahr 1982 eine Mappe mit Texten und Original-Grafiken veröffentlichen, die den "Prometheus" des Weimarer Klassikers auf seinen Sitz im gegenwärtigen Leben befragen sollte. Im Kulturbund der DDR war bald der geeignete Partner für das Projekt gefunden, dem frühere Editionen zu historischen Persönlichkeiten wie Luther und Lessing als Referenz dienten. Wie und warum aus dem Mappenwerk schließlich doch ein Politikum wurde, will der Weißenfelser Verein Brand-Sanierung nun zum 25-jährigen Jubiläum des Mappenwerks "Prometheus 1982" beleuchten. Zur Vernissage einer Ausstellung mit den Originalblättern der Kollektion spricht heute der Herausgeber Roland Rittig, der hallesche Dichter Dieter Mucke liest u. a. seinen damaligen Beitrag "Panik im Olymp (Sisyphos erprobt sich als Prometheus)" - eine trickreiche Anverwandlung, in der den olympischen Göttern nur ein Schlips umgebunden wurde, um sie kenntlich zu machen. Eben darin lag die Sprengkraft, die dem antiken Mythos eingeschrieben wurde: Texte wie Wilhelm Bartschs "Beurteilung des Prometheus" oder Adolf Endlers "Statement Ende März 82", Rainer Kirschs "Das Ende vom Lied" und Volker Brauns "Verfahren Prometheus" zogen den Menschenbildner und Feuerbringer mal sanft, mal gewaltsam an sich. Grafiken von Wolfgang Mattheuer und Otto Möhwald, Michael Morgner und Volker Stelzmann nutzten den Auftrag als Anregung zur Selbstbefragung. Dass die aktuelle Debatte um nukleare Aufrüstung (etwa in Wieland Försters Atompilz über Strommasten) ebenso Darstellung fand wie der internationale Ideologie-Export (bei Uwe Pfeifers Che-Guevara-Porträt als Panzerschütze), konnte man mit Berufung auf die Erwartungshaltung durchaus als Einverständnis mit dem Thema werten. Wer jedoch im Lesen des Subtextes geübt war, musste den Doppelsinn solcher Motive erkennen. Und der blieb denn auch den Auftraggebern nicht verborgen. Bereits bei der Uraufführung der Texte am 12. Juni 1982 in Dresden waren Beiträge von eingeladenen Künstlern aussortiert worden, das geplante Publikumsgespräch fand nicht statt. Wenig später landete die Auflage, die eigentlich landesweit an Galerien ausgeliehen werden sollte, im Depot: Die Götter hatten entschieden und übten sich "dem Knaben gleich, der Disteln köpft", in kleinlicher Zensur. Zweieinhalb Jahrzehnte später ist die Anthologie noch immer sehenswert, weil sich eine repräsentative Auswahl von künstlerischen Positionen an einem gemeinsamen Thema studieren lässt. Dabei wird deutlich, dass die rückblickend so scharf gezogenen Fronten zwischen Staatskünstler und Dissident im Alltag keineswegs undurchlässig waren. Der Visionär Heiner Müller aber ahnte eine Zukunft, die den Künstlern bald blühte: Prometheus in weggesprengter Welt, "endlich allein mit seinem endlich frei schwebenden Felsen." Ausstellung in Weißenfels, Novalisstraße 13, bis 18. November, Fr 17-19, Sa/So 15-18 Uhr; Vernissage heute 19 Uhr
MZ vom 27.10.07


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